Briefmarken-Leitfaden
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Briefmarken     Erinnerungen, Grübeleien und ein Ergebnis
Bin ich ein Spinner? Da fesselte mich, wohl 1954, also als 12-Jähriger, die Schweizer Sondermarke zur Fußballweltmeisterschaft 1953 so sehr, daß daraus ein ganzes Briefmarkensammler-Leben wurde. Ein bunt bedrucktes Stückchen Papier aus einem damals fernen Land, in dem ich immer neue Details, immer neue Schönheiten entdeckte.
Schweiz
Ich habe es nie wirklich bereut, obwohl es einige Momente gab, wo ich den Bettel hinschmeißen wollte.
Das größte Manko war, das hat sich erst später herausgestellt, daß es, solange ich sammelte, nie eine gescheite Anleitung zum Sammeln gab. Eine Anleitung, die mir sagte, was richtig, was falsch, was gut, was schlecht, was empfehlenswert war. Eine Anleitung, die meine Interessen vertrat!
Es hat sehr lange gedauert, bis sich bei mir, bezogen auf mein Sammelobjekt und vor allem in Bezug auf die organisierte Philatelie, so eine Art Beurteilungs- und Qualitätsraster gebildet hat, das Fehler oder Besonderheiten heute sofort erkennt - primär, sekundär - und das final handelt.
Jahrzehntelang war für mich alles, was "Zähne" hatte (na ja) sammelwürdig, ob postfrisch, gestempelt oder auf Brief. Paßte es nicht mehr ins Dublettenalbum wurde in Umschlägen weiter gehortet. Dabei hat Qualität überhaupt keine Rolle gespielt. Komisch, ich kann mich gar nicht daran erinnern, daß irgend jemand gesagt hätte, daß da etwas falsch wäre - und dabei hätte mich doch stutzig machen sollen, daß das alle anderen auch taten.
Gesammelt wurde nur postfrisch. Damals gab es Kommentare aus der Briefmarkenlobby, die das Sammeln gestempelter Marken als völlig unmodern, ja, fast schon abartig bezeichneten.
Mit 17 Jahren, ich hatte dummerweise das Rauchen angefangen (und, mein Glück, 12 Jahre später wieder aufgegeben!), liebte auch mal ein Bierchen, war gerne mit Freunden unterwegs - und litt unter chronischem Geldmangel. Die letzte Rettung war dann 1959 der Verkauf meiner Sammlung. Von 1954 bis 1958 waren die Anfänge des Nachkriegsdeutschland ja noch nichts Besonderes, günstig zu bekommen und folglich in vielen Sammlungen ganz normaler Bestand. Auch in meiner. Es hatte sich ganz schön was angesammelt. Der Händler wollte damals nur Teile meiner Sammlung und, ganz klar, das Beste.
Drei Jahre hat es gedauert, bis ich mir die traurigen Reste mal wieder angeschaut habe - und war sofort wieder davon gefesselt.
Da fällt mir eine kleine Anekdote ein. Als ich nach dieser briefmarkenlosen Zeit zum ersten Mal wieder bei einem unserer Briefmarkenhändler einen Katalog kaufen wollte, fragte der mich, hinter mir standen drei weitere Kunden, laut und für alle deutlich hörbar, ob es mir zwischenzeitlich finanziell wieder etwas besser ginge. Sein Pech war, daß es damals noch eine gewisse Auswahl an Briefmarkenhändlern gab.
In allen Medien wurde damals davon gesprochen und geschrieben, welch glanzvolle Zukunft das Briefmarkensammeln hätte. Die Preise für die Jahrgänge bis Ende der 50er Jahre, ob Bund, Berlin, die DDR oder die übrigen Besatzungszonen, waren, das hatte ich ja 1959 schon bemerkt, förmlich explodiert. Warum sollte das bei den folgenden anders sein? Man wäre also doof, wenn man die Möglichkeiten, die sich da auftaten, nicht nutzte. Man mußte nur die Neuerscheinungen kaufen, warten bis die Preise nach oben schießen - und schon war man reich. Ich wollte dabei nicht überziehen und bezog im Abonnement über die Versandstelle für Sammlermarken die Neuausgaben von Bund und Berlin "nur" 6-fach, beneidete aber die, die Bogenweise sammelten. Damals waren die Neuheiten noch erschwinglich, der Jahrgang Bund 1962 kostete 6-fach DM 23,40 (€ 11,96), Berlin € 19,23, dagegen hätten z.B. alle Ausgaben Januar 2010, 6-fach gesammelt, sage und schreibe € 600,-- gekostet!
Heute entwickeln sich also die Kosten für Neuausgaben ins Unerträgliche, damals explodierten die Katalogpreise und, das beachtete niemand, auch die Zahl der Briefmarkensammler. Das brachte den früheren Jahrgängen natürlich nochmals einen Aufschwung - verstärkte alle Reize - und ließ die Auflagen der Folgejahre ebenfalls explodieren.
Ich verdiente damals recht gut, also leistete ich mir diese Investitionen und, nobel geht die Welt zugrunde, sammelte ich ab diesem Zeitpunkt, das taten ja schließlich alle, auch im "kostbaren" Vordruckalbum. Auf die Lieferungen habe ich mich immer sehr gefreut. Eine zugegeben kurze Freude: auspacken, zertrennen, anders paßten die Marken nicht ins Vordruckalbum, einstecken, Dubletten ins entsprechende Album, fertig.
Ein richtig ausgefülltes Sammlerleben war das ja nun auch nicht. Die fragwürdige Lösung waren weitere Abos: Schweiz, Liechtenstein und Vatikan. Der Geldbeutel war dann mit Albenkauf, Vordruckblätterkauf, Katalogen und den Abos ganz schön ausgelastet. Auf jeden Fall kamen jetzt auch "Mengen" zusammen. Der Wahn, reich zu werden, wurde beim Anblick der vielen Alben, von soviel philatelistischem Material und dem Blick in die Kataloge gar noch gesteigert.
Quantität vor ...... ? Richtig: Qualität. Kein Mensch sprach in Zusammenhang mit Briefmarken von Qualität. Viel später wurden da Versuche unternommen, die aber ins Leere liefen - Quantität war zwischenzeitlich Standard, war Gewohnheit.
Ach, übrigens, all diesen Schrott findet man noch immer in den Alben. Logischerweise auch in meinen, schließlich gibt es ja dafür keine Käufer.
Die 60er Jahre gingen zu Ende, die Katalogpreise hatten tatsächlich etwas angezogen, die 70er Jahre brachten keine wesentlichen Steigerungen, die 80er-Jahre dann jedoch, zumindest bei mir, die Ernüchterung. Nicht, daß irgend jemand gesagt hätte, daß etwas falsch gelaufen sei, auch nicht, daß man es hätte anders machen sollen oder gar künftig sein Verhalten ändern solle.
Da schon hatte ich das Gefühl, man wolle, daß diese verfahrene Karre so weiter laufen soll. Da hörte man auch erstmals, Sammler sollten aufhören, sich mit den Katalogpreisen reich rechnen zu wollen - während gleichzeitig die Verkaufsaktivitäten der organisierten Philatelie raffinierter und intensiver wurden. Auch das hätte mich stutzig machen sollen.
Ab etwa 1980 begann ich dann auf mein Hobby bezogen, mehr selbst und auch vernetzt zu denken: postfrisch, gestempelt, Kataloge, Raritäten, Alben, Abonnements, Produkte, Händler, Relationen, Zubehör, Lobby, Vereine, Sammler....... Die Ergebnisse waren erschreckend?
Es gibt keinerlei Erhebungen, wieviele Briefmarkensammler es eigentlich in Deutschland gibt. 500.000? Die Auflagen lagen bei den Berliner Ausgaben je bei mehreren Millionen Stück, 20, 30, 40 Millionen Stück und mehr waren es beim Bund, 400.000 Ersttagsblätter und unzählige FDC! Für wen? Wieviele sammeln in Europa? Und was sammeln sie? In Deutschland wahrscheinlich überwiegend ihr Heimatland. Die Franzosen und die Italiener das ihre - der Eine oder Andere schaut vielleicht auch mal über die Grenzen. Was entstehen da für Relationen?
Die logische Folge: nach 20 Jahre waren die Katalogpreise noch immer nicht explodiert, eher kam es zu Implosionen, es ging in den Keller. Und ich fand das plötzlich auch logisch. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich mir eingestehen mußte, derbe Fehler gemacht zu haben. Ich war niedergeschlagen und überlegte aufzugeben.
Man glaubt es nicht, aber der Tag der größten Niedergeschlagenheit entpuppte sich als der glücklichste. Ich erkannte in aller Deutlichkeit, was da ablief. Hatte ich mich in der Vergangenheit ganz nach dem gerichtet, was die Briefmarkenlobby vorgab, war nun nur noch eigenes Denken gefragt - und zeigte bald Früchte.
Wenn es in Deutschland 1/2 Mio. Briefmarkensammler gab und alle kauften, auch mehrfach, Bund und Berlin, wer sollte dann, wenn ich einmal verkaufen wollte, meine Bund- und Berlin-Marken eigentlich kaufen? Plötzlich hatten meine Marken, ob Sammlung oder Dubletten, für mich nur noch den Frankaturwert: eine 20-Pfennig Briefmarke mit einem Katalogwert von DM 1,00 also nur noch 20 Pfennig. Allerdings ist zwischenzeitlich das Porto für einen normalen Brief von 20 Pfennig auf 60 Pfennig angestiegen, also hatte die 20 Pfennig-Marke von damals nur noch 1/3 ihres ehemaligen Frankatur-Wertes, was neben Zinsverlusten 2/3 Kaufkraftverlust bedeutete.
Glückliche Entscheidungen traf ich in den Jahren 1991 und 2002: ich tauschte alle postfrischen Marken ab 1969 bis Ende ihrer Gültigkeit von Berlin und Bund komplett in postgültige - und verbrauchte diese in den Folgejahren. Diese Sorgen habe ich also nicht mehr - aber Schrott habe ich trotzdem noch in großen Mengen.
Seit vielen Jahren weiß ich also, daß alle diese Marken überhaupt keinen Wert mehr haben. Erstens wurden alle Marken bis 1990 bzw. bei Bund bis 2001 (außer den Doppelnominalen) für ungültig erklärt, können also nicht einmal mehr "verklebt" werden und zweitens gibt es davon solche Massen, daß es dafür keine Käufer geben kann.
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Welch ein Glück, daß ich die gestempelten Marken entdeckte, die Markenheftchen mit ihren Zusammendrucken und den sonstigen Spezialitäten, die Rollenmarken, die Bogenränder, Briefe und einiges mehr. Viele Bereiche sammelte ich nun spezialisiert - und hatte wieder Spaß am Sammeln.
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Mi212 gepr.
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Allerdings, und das war mir damals auch nicht so recht bewußt, sammelte ich weiterhin in Vordruckalben - und kaufte zusätzlich die unterschiedlichsten teuren Zusatzblätter: ein buntes, nur schwer übersichtlich zu haltendes Sammelsurium, wirklich nicht schön. Heute sammle ich ausschließlich in Steckalben, die eine ideale und auch äußerst preisgünstige Lösung sind.
Die Wiedervereinigung war ein menschlich überragendes Ereignis, politisch war sie brisant und hochinteressant, auch für Briefmarkensammler ein einmaliges Hoch - und für mich die endgültige Fokussierung auf Berlin. Eine herrliche Leidenschaft, die man, so glaube ich, auf meiner Homepage "www.Berlin-Briefmarken.de, gut nachvollziehen kann!
In diesen letzten ca. 20 Jahren habe ich durch viele unterschiedliche Kontakte Einblick in die "Briefmarkenlobby" erhalten - und war entsetzt. Das ist ein durch und durch kranker, einige sagen, sterbenskranker "Verein", der nicht Willens ist, sich angeblich angestammte Pfründe nehmen zu lassen. Tatsache jedoch ist, daß "seine Kundschaft" wegbricht, weil diese heute die Folgen dieses Treibens zu tragen hat, und oft die dahinter steckende Unredlichkeit erkennt.
Logischerweise, vor allem aber leider, geben immer mehr Sammler ihr Hobby auf.
Das ist schade und, wie ich meine, nicht die richtige Reaktion. Unser Hobby ist viel zu schön, um es einfach kampflos aufzugeben. Warum nutzen wir Sammler nicht unsere negativen Erfahrungen? Das sind hervorragende Erkenntnisse, die, richtig umgesetzt, den Spaß am Sammeln in sich tragen.
Statt uns also unser wunderschönes Hobby kaputt machen zu lassen, nabeln wir uns doch einfach von dieser Briefmarkenlobby ab - denken und handeln künftig selbst.
Machen Sie aus Ihrer Sammlung ein Juwel, Möglichkeiten gibt es mehr als genug.
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